[RP-Info] Ein letztes Schiff

Geschrieben von Jarosch am 24. Januar 2018 12:46:21.

Zitternd hocke Jarosch zwischen leeren Rumfässern. Wenn man ihn jetzt erwischte, wäre es um ihn geschehen. Ganz sicher! Er hatte die Aufgabe bekommen, die Fässer auf ein neues Schiff zu tragen und dabei den wahnwitzigen Plan entwickelt, sich nach dem letzten Fass einfach zu verstecken und an Bord zu bleiben. Das hatte er auch getan, doch jetzt zweifelte er - nein, er verzweifelte! Gerade besetzten die Piraten wohl das Schiff, zumindest klang es so, denn sehen konnte er aus seinem Versteck heraus nicht sehr viel. Befehle wurden gebrüllt, Taue über die neuen Holzplanken gezogen, nackte Füße trampelten hin und her. Ob er jetzt noch schnell über die Reling springen und in der Werft verschwinden konnte? Gerade als Jarosch aufstehen wollte, wurde das Schiff von einem Ruck durchgeschüttelt. Zu spät! Jetzt ging es los! Knirschend setzte es sich in Bewegung, schabte über Sand und die runden Holzbanken, die es zum Meer bringen würden. Oft genug hatte er dabei zugesehen, doch selbst an Bord war er dabei noch nie gewesen. Vorsichtig schob er sich durch die Fässer weiter vor, denn so völlig blind zu sein machte ihm noch mehr Angst. Doch was er dann sah, war nicht viel besser. Ungewöhnlich viele Piraten tummelten sich auf dem Schiffsdeck. Warum so viele? Suchten sie vielleicht schon nach ihm? Doch danach sah es nicht aus. Sie schienen in heller Aufregung und purer Vorfreude, schwenkten Rumflaschen, grölten und sangen die verschiedensten Lieder gleichzeitig, aber völlig durcheinander. Ein Höllenlärm! Da musste doch sogar der Truchsess aus den Daunenfedern fliegen!

Trotz dem wilden Chaos schien jeder seine Aufgabe zu kennen und spielend zu erledigen, denn bereits nach erstaunlich kurzer Zeit war das neue Schiff zu Wasser gelassen worden und schaukelte nun sanft auf den Wellen. Wohin würde es fahren? Vorsichtig streckte Jarosch die Nase zwischen den Fässern hervor und beobachtete, wie die Segel gerade herunter gelassen wurden und sich im Wind aufbauschten. Das Schiff nahm langsam Fahrt auf, die neuen Planken und Taue knirschten und ächzten unter der ungewohnten Belastung und in Jarosch Magen begann sich ein ungutes Gefühl zu regen. Hunger? Angst? Bauchweh? Im blassen Mondlicht schaukelte das Schiff immer weiter aufs offene Meer hinaus, die Küste wurde rasend schnell kleiner. Mit zunehmender Geschwindigkeit begann sich Jarosch immer elender zu fühlen, bis er es nicht mehr aushielt. Er sprang hinter seinem Versteck hervor, schlitterte zur Reling und schon verließ ihn sein Abendessen, um Fischfutter zu werden. Alles drehte sich um Jarosch, als er zittrig auf die Holzplanken sank und wurde sich erst jetzt bewusst, dass um ihn herum ein paar Piraten zusammen getreten waren. Das höhnische Grinsen in ihren Gesichtern versprach aber eher Spott als Ärger.


“Ha, verträgste wohl keen Geschaukel eh? Mensch Jung, hier hasse! Trink ma n ordentlichen Schluck, wirste sehen, wird gleich besser!

Schon wurde Jarosch eine Rumflasche in den Arm gedrückt und in seinem Elend tat er tatsächlich, was ihm gesagt wurde – und trank einen Schluck. Welch fürchterliches Zeug! Keuchend und hustend schaffte er es aber, zumindest den größten Teil runter zu schlucken und nicht noch mehr Spott zu ernten. Ob das wirklich helfen konnte? Entweder würde ihn gleich hier und jetzt der Tod ereilen oder.. mal sehen was die nächsten Stunden so brachten!"