[RP-Info] Die Perlmuttpiraten

Geschrieben von Jarosch am 2. März 2018 11:39:03.

Auch wenn er nicht daran geglaubt hatte, Jarosch starb in den ersten Tagen seiner Seefahrt nicht! Tatsächlich wurde sogar seine Übelkeit mit der Zeit besser. Er war aber vor allem darüber erleichtert, dass er nicht einfach über Bord geworfen worden war, weil er sich auf das Schiff geschmuggelt hatte. Der Kapitän war zwar nicht sonderlich begeistert, duldete ihn aber schließlich doch – solange er sich nützlich machte. So verbrachte Jarosch seine Zeit also mit allen möglichen Arbeiten. Ob er nun eimerweise Kartoffeln schälte, auf Knien rutschend das Deck schrubbte, meterlange Taue sortierte oder Rum hin und her schleppte – zu tun gab es auf so einem großen Schiff immer genug. Die Crew war ausgelassen und fröhlich, aber das war bei der Piratenbande ja eigentlich nichts neues. Ihr ziel, so erfuhr er nach und nach, lag offensichtlich auf hoher See, man sprach immer davon, sich dort als letztes Schiff mit der Flotte zu vereinen. Doch welche Flotte? Von Vesper? Aber vollbesetzt mit Piraten? Wohl eher unwahrscheinlich. Oder hatte der Truchsess sie vielleicht doch angeheuert? Einfach zu fragen traute er sich nicht, also hieß es weiter abwarten.

Nach ein paar Tagen legte das Schiff am Hafen einer Insel an. Wo diese Insel sich befand wusste Jarosch nicht, doch was sie hier wollten war schnell geklärt – Rum Nachschub organisieren! Also hieß es wieder Fässer schleppen und das nicht zu knapp. Eine gehörige Menge stapelte sich bald im Bauch des Schiffes, zusätzlich auch viele Kisten mit Lebensmitteln und Rohstoffen, Waffen und Werkzeugen. Bald darauf stach das Schiff wieder in See und weckte das Magengrummeln in Jaroschs Bauch. Doch dieses Mal beruhige sich sein Unwohlsein recht schnell und er hoffte, dass es irgendwann vielleicht sogar nie mehr auftreten würde. Erneut segelte er also einem immer noch ungewissen Ziel entgegen, bis ihn am Abend der Kapitän zu sich holte.


“So, wat stelln wa nu an mit dir an, Bürschchen eh? Schmuggelste dich einfach auf de Schiff, was wollteste denn hier? Nen Abenteuer?! Na, mutig biste ja wohl – oder dumm! Beides bestimmt, aber du gefällst mir! Ich hab da scho ne Arbeit für dich! Kannste gut rudern? Hasse noch nie gemacht?! Na, dann wirstes bald lerne! Ha! Das wird ne feine Aufgabe für dich, wirst schon sehn! Warts ma ab!“

Durchaus etwas beunruhigt harrte Jarosch also aus und versuchte sich den Kopf nicht zu zerbrechen. Rudern? Wozu das denn, wenn man ein Segelschiff hatte? Während er so grübelnd über das Deck schlenderte, wäre ihm fast entgangen, dass sich vor ihnen viele Masten aus der Dunkelheit schälten. Langsam wurden auch einzelne Lichter sichtbar. War das die Flotte? Urplötzlich brauch wieder Tumult auf dem Schiff aus, als neue Befehle gebrüllt wurden, um die Segel ein zu holen und den Anker zu setzen. Sie waren also endlich am Ziel angekommen, schlossen sich tatsächlich einer Menge anderer Schiffe an. Taue wurden zum nächsten Schiff geworfen, um sie zu verbinden und die ersten Piraten kletterten auch schon rüber. Die Stimmung war ausgesprochen gut – um nicht zusagen, es herrschte ein höllischer Lärm! Begrüßungen wurden gegrölt und Lieder angestimmt und nicht zum ersten Mal begann Jarosch zu bereuen, dass er mit gefahren war. Doch dann rief ihn der Kapitän erneut herbei.

“Morgen, Kleener, morgen wirste anfange! De Jungs zeige dir de Nussschale, mit derste dann zum Handelsposte am Braldur fahre wirst! Und da fängste an, uns 'Besucher' zu hole, so viele wieste kriegn kannst! Schauste aber, dasste de reicheste rausfischst, de mit de Schmuck und de volle Goldbeutel eh? Erkennste ja sicher, de lungern da immer an de Marktstände rum un kaufe Seide und so Kram. De bringste dann hier her, hasste verstande eh? Ha! Das wirste schon gut machn, bist ja n schlauer Jung!

Jarosch traute seinen Ohren kaum. War er nun echt dazu abgestellt worden, harmlose Bürger zu entführen, damit sie von den Piraten ausgeraubt werden konnten? Na, was für ein Schlamassel! Reiche Leute? Von wegen! Mutige Krieger würde er bringen, die bereit waren, die Piratenbande zu besiegen! Und am Ende würde er als Held nach Vesper zurückkehren – mit einer ganzen Flotte!