Tyche

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Titel:
Die Herrin des Glücks, die lächelnde Herrin

Andere Namen:
Tymora, Beshaba (sehr selten verwendet)

Portfolio:
Abenteuer, Wagemut, Glück/Unglück, Geschick, Glücksspiel

Philosophie / Motivation:
Tyche ist die Göttin des Glücks und der Wagemutigen. Ein Leben ohne Risiko und Gefahren wird es nie geben. Und so findet sie Gefallen an denjenigen, welche auf ihr Glück bauen und bereit sind auch ungewöhnlich hohe Risiken einzugehen. So steht sie den Abenteurern öfter zur Seite, wenn sie sich an einem Scheidepunkt ihrer Unternehmung befinden. Dies tut sie nicht durch direktes Eingreifen, viel eher zeigt sie durch einen Hinweis eine Lösung auf oder wendet durch einen scheinbaren glücklichen Zufall die ausweglosen Umstände. Auf diese Weise dreht sich das Schicksalsrad zugunsten der Glücksritter, die sich mit Mut und Vertrauen auf ihr Geschick (im Sinne von Schicksal) /Glück verlassen und sich den Abenteuern des Lebens stellen, sich nicht zu Hause verstecken, sondern in die Welt ziehen, scheinbare Gefahren nicht immer so ernst nehmen, Zaudern und Ängstlichkeit verachten. Die Risikobereiten und Abenteuerlustigen können sich ihrer Gunst sicher sein.
Aber die Herrin des Glücks ist auch launisch und die Begünstigten wechseln schnell. Nicht ohne Grund ergab sich die Redensart Laune des Schicksals. Selten verweilt sie lange bei einem Sterblichen. So birgt Glück eine trügerische Sicherheit, doch dem Sorglosen wird dies nicht hindern, vertraut er doch einfach darauf, dass sein Glück zur richtigen Zeit schon alles zum Guten wendet.

Insofern vereint Tyche schicksalsgebende Aspekte in sich und steht für eine gewisse Schicksalsergebenheit. Eine grundlegende Philosophie der Herrin des Glücks ist damit: Geht hinaus und verzagt nicht, stellt Euch den Abenteuern des Lebens, denn der Wagemutige wird jede Unternehmung glücklich zu Ende bringen. Es wird schon gut gehen!
Aufgrund dieser Philosophie hat Tyche auch eine Vorliebe für das Karten- und Würfelspiel mit hohen Einsätzen. Bei keiner Wette kann der Ausgang unsicher genug sein und je höher der Einsatz umso besser. Mitunter trifft man sie öfter in Casinos und anderen Orten solcher Glücksspiele an.

In Geschichten und Überlieferungen der Alten und laut einigen Legenden wird Tyche aber auch das Unglück zugeschrieben. Es heißt, sie habe wie die Münze zwei Seiten. Danach symbolisiert die Münze nicht nur die schnellen Entscheidungen ohne grüblerische Abwägungen und sorgenvolles Zaudern im Vertrauen auf das eigene Glück, sondern auch die dunklen Aspekte des Schicksals: Das Unglück.
So soll sie den Wagemutigen und unverzagten Glücksrittern nicht nur zur Seite stehen und manches Mal ihre Finger im Spiel haben, wenn ein gar zu gefährliches Abenteuer doch unverhofft einen guten Ausgang findet, sondern den Zauderern und Überängstlichen, den Vorsichtigen und den vernunftbetonten Langweilern durchaus mit unglücklichen Wendungen und schicksalsträchtigen Hindernissen das Leben schwer machen, um sie zu bestrafen.
Diese Geschichten alter Mütterchen am winterlichen Kaminfeuer haben immer die Moral, dass das Leben nicht immer nur glückliche Wendungen beinhaltet, sondern auch Tiefschläge durch unglückliche Umstände bereithält. Aber deswegen nutzt es nicht verzagt und verängstigt zu Hause in scheinbarer Sicherheit zu sitzen. Das Schicksal holt einen jeden dennoch ein und man sollte es zuversichtlich annehmen. In diesen Geschichten wird sie Beshaba genannt und es heißt, dass sie ihr Eingreifen zum Negativen immer mit Vorboten ankündigt. Diese Unglücksboten werden beispielsweise als schwarze Katzen, weiße Wildpferde oder schwarze Schwäne beschrieben. Schlechte Vorboten sind hierbei auch das Zerspringen eines Spiegels, die Farbe Gelb oder das Entzweibrechen einer Tasse.
Durch diese von den jungen Leuten spöttisch bezeichneten Ammenmärchen haben sich jedoch einige Verhaltensweisen geprägt. So wird bei der Geburt eines Kindes auf solche Unglücksboten geachtet und diese werden bei Sichtung verjagt. Ist kurz vor der Geburt ein Spiegel gesprungen, etwas auffällig Gelbes gesehen worden oder eine Tasse entzwei gebrochen, wird oft versucht das drohende Unglück durch Glückssymbole zu neutralisieren. Münzen als Symbol der Herrin der Glücks werden überall im Haus der Niederkommenden ausgelegt, seltener werden Hasenpfoten unter das Bett der Frau gelegt oder auch oft an der Haustüre ein Hufeisen aufgehängt. Es soll schon besonders Gründliche gegeben haben, die Ferkel oder Schweine in die Wohnräume trieben, sollte sich zuvor ein Unglücksbote gezeigt haben.

Aufgaben der Anhänger und Priesterschaft:
Die Kirche Tyches ist nicht durch Ränge strukturiert. Die Priester agieren alle auf gleichberechtigter Ebene. Ebenfalls sind sie nicht an einen bestimmten Tempel gebunden, vielmehr reisen sie durch die Lande und muntern das Volk entsprechend Tyches Lehren auf, ihre kühnsten Träume zu verwirklichen. Sie muntern auf und sprechen Mut zu, versprühen Optimismus und Zuversicht. Dabei stürzen sie sich auch gern selbst in waghalsige Abenteuer, um Abenteuergruppen zu unterstützen.
Eine weitere Aufgabe der Priesterschaft besteht darin, denen, die Mut bewiesen haben, durch Heil- oder Schutzzauber oder durch Ratschläge beizustehen. So mancher Priester wurde auch schon bei Glücksspielen gesichtet, wie er als Zuschauer durch Anfeuerung die Einsätze in schwindelerregende Höhen trieb.
Die Kleidung der Priester ist eher schlicht und in hellen Farben gehalten, natürlich tragen sie kein unglücksbringendes Gelb. Auf ihren Roben ist oftmals eine Münze als Zeichen der Glaubenszugehörigkeit eingestickt.

Die Abenteurer, Glücksritter und Krieger, welche sich als Schatzjäger und Söldner verdingen, verehren gewöhnlich die Herrin des Glücks und rufen sie an, wenn sie sich auf waghalsige Unternehmungen einlassen. Aber auch viele Soldaten beten zu Tyche, wenn es darum geht ein Himmelfahrtskommando zu überstehen. Um ihre Gunst zu erhalten, halten sie sich als Anhänger von Tyche an bestimmte Regeln und so verzichten sie darauf ihrem Glück nachzuhelfen, sei es durch Betrug im Spiel oder ein vergiftetes Schwert. So mancher trägt gerne eine Münze als Talisman um den Hals.
Allen Anhängern ist gemeinsam, dass sie nicht lange mit Entscheidungen zögern. Ihr Glaube an das Glück und Tyche offenbart sich eben dadurch, dass sie viele ihrer Entscheidungen durch Gegebenheiten wählen. Eine geworfene Münze entscheidet viel eher als eine ewige Diskussion. Langes Grübeln und Hadern ist ihnen zuwider, viel lieber schreiten sie zuversichtlich zur Tat.
Gemeinhin haben alle Anhänger der Herrin des Glücks eine manchmal gar fatalistische Schwäche für das Glücksspiel. Ebenfalls schlagen sie keine Wette aus.

Beziehung zu den anderen Göttern:
Im Grunde ist Tyche eine ausgeglichene und heitere Gottheit, Machtspielchen und Streitigkeiten liegen ihr fern, so dass sie sich meist aus allen Konflikten der anderen Unsterblichen raushält.
Gerade zu Lavain und Shaundakul verbindet sie ein freundschaftliches Verhältnis. So ist sie Shaundakul aufgrund seines etwas schrägen, ja derben Humors und seiner Fürsorge für Reisende zugetan. Eine Reise ist immer ein Abenteuer und somit ein Wagnis. Die Beziehung zu Lavain ist dagegen höchst ambivalent, so pflegen die beiden eine tiefe Freundschaft und haben das gleiche Interesse für Glücksspiele, doch wird Tyche bei Lavains eigenwilliger Auslegung hinsichtlich Glücks höchst ungehalten. Dem Nachhelfen des eigenen Glücks beim Würfel- oder Kartenspiel steht Tyche äußerst kritisch gegenüber.
Mit Sarathea führt sie einen stillen Konflikt. Tyche und Sarathea verfolgen unterschiedliche Ansätze. Sarathea vertritt den Glauben, dass der Verstand und die Logik über Erfolg bestimmen und verweigert den Gedanken, Glück spiele eine Rolle. Anders sieht das Verhältnis zum Kriegsgott Tempus aus. Beide schätzen Wagemut und sind sich über die Beurteilung von abenteuerlichen Himmelfahrtskommandos in Schlachten einig.
Zwischen ihr und Muriel kommt es gelegentlich zu Meinungsverschiedenheiten, da es Muriel missfällt, wenn sich ein Händler oder Handwerker zu sehr auf sein Glück verlässt. Muriel belohnt diejenigen, welche es mit Fleiß und harter Arbeit zu etwas bringen und ist jenen misstrauisch, die nur auf ihr Glück hoffen. Allerdings ist Muriel auch bewusst, dass zu jedem guten Geschäft auch eine Portion Glück gehört.
Zu Kossuth hat Tyche ein sehr angespanntes, ja fast feindseliges Verhältnis. Ihr passt es gar nicht, wenn Streiter wegen der kleinlichen, ja kleinkarierten Auslegung von Kossuths Lehren es an Wagemut und Abenteuerlust mangeln lassen. Die Intoleranz und fundamental gelebten Dogmen, welche sich im Glauben an Kossuth manifestieren, widersprechen eigentlich allen Grundhaltungen, für die Tyche steht.

Tempel, bekannte Stätten, Avatare:
Früher fand man neben dem Weg zum alten Spukschloss zu Britain einen verwitterten Tyche Schrein. Doch dieser ist mittlerweile neben dem Übungsplatz der Garde neu aufgebaut worden.
Tyche selbst erscheint in der Gestalt einer jungen freundlichen Frau mit goldgelockten Flechten. Ihre Kleidung ist schlicht und eher praktisch als elegant. Auffällig sind jedoch ihre strahlend blauen Augen, welche Humor und Güte verraten. Oft wird ihr Antlitz von einem rätselhaften Lächeln verschönert, was auf den Betrachter spöttisch und aufmunternd zugleich wirkt. Daher kommt auch der Name die lächelnde Herrin. Sorglos und selbstsicher mit einer gehörigen Portion Naivität tritt sie unbefangen auf die Menschen und anderen Wesen zu und mischt sich gern gesellig unter sie. Da sie ein Faible für das Glücksspiel hat, ist sie oft in Casinos und ähnlichen Örtlichkeiten anzutreffen.

Geschichte / Hintergrund:
Über Tyche ist in der Vergessenen Welt wenig bekannt, da sie Abenteurern mit Hilfe von scheinbaren Zufällen und Hinweisen hilft. Nur wenige Begegnungen sind bekannt, da sie sich auch selten zu erkennen gibt und manche sind ihr begegnet ohne es zu wissen.
Alten Legenden und Mythen zufolge war das Schicksal einst mächtiger als die Götter selbst. Die Götter bestimmten, dass sich Tyche als Göttin des Glücks dem Schicksal stellen sollte, um das bis dahin unabänderliche Schicksal zu besiegen. Naiv und sorglos machte sich Tyche auf den Weg das Schicksal herauszufordern.
Sie sprach zum Schicksal: Diese Münze ist Dein Schicksal. Zeigt es den Kopf so wirst du mir dienen, zeigt es die Zahl so kannst du mit mir tun, was dir gefällt. Das Schicksal war damit einverstanden und nickte ihr zu. Tyche warf also die Münze hoch in die Luft und als die Münze den Boden erreichte stand die Münze. So also sprach das Schicksal zu ihr: Da die Münze weder die Zahl noch den Kopf zeigt hat keiner von uns gewonnen oder verloren. Durch dieses Ergebnis ist das unausweichliche, unabänderliche Schicksal aufgehoben. Von nun ab kann ein jeder Gott das Schicksal eines jeden verändern, aber Dir Tyche sei die Möglichkeit gegeben das Schicksal der Wesen schon bei der Geburt zu erkennen und einem jedem so viel Glück oder Unglück zu geben wie er es verdient hat.
So wirft Tyche bei jeder Geburt eines Kindes ihre Münze und es entscheidet sich, ob es ein Pechvogel oder ein Glückskind wird. Es heißt, steht die Münze auf dem Rand, so haben diese Wesen es in der Hand, ihre eigenes Schicksal zu schmieden.

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