Muriel

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Titel:
Die Große Feilscherin

Andere Namen:
Die Kaeuflerin, Die Kraemerin

Symbol:
Abakus / Rechenschieber

Portfolio:
Handel, Handwerk

Philosophie / Motivation:
Muriel wird zumeist von den Händlern und Handwerkern verehrt. So wie ihr Zwillingsbruder Shaundakul für die Expeditionen, Karawanen und reisende Händler zuständig ist, so kümmert sie sich um die Händler und Handwerker in den Städten und Dörfern. Sie wird meist als ältere Frau mit Sehgläsern und Waage dargestellt, die sich über ein Rechnungsbuch beugt. Angeblich kümmert sie sich tagsüber um den Schutz ihrer Anhänger, während sie die Nacht damit verbringt, die Gewinne und Verluste zu berechnen. Dieses führt allerdings dazu, dass unter ihren Anhängern nachts ausgeführte Arbeiten als unglücklich und gotteslästerlich gelten.
Auch wenn das Hauptaugenmerk Muriels dem Handel gilt, vergisst sie nicht diejenigen, welche die Handelsgüter erstellen: Die Handwerker. Auch jene hat sie unter ihre Fittiche genommen, um die Besten zu fördern und in ihrem alltäglichen Schaffen zu schützen und unterstützen. Denn sorgfältig erschaffenes Gut bester Qualität erzielt die besten Marktpreise und so manch neue, kreative Idee und Kreation lässt den Handel florieren.
Man sagt, Muriel würde ihre Gunst vor allen Dingen durch den erwirtschafteten Gewinn zeigen: Ein Handwerker oder Händler mit großen Gewinnspannen gilt als von Muriel gesegnet. Kleine Händler und Krämer sollten ihren erfolgreicheren Kollegen also nicht das Geschäft neiden, sondern im Gegenteil versuchen, sich an ihnen ein Vorbild zu nehmen. Größte Blasphemie wäre, erwirtschaftetes Gold zu horten, was im schlimmsten Fall dem Markt schaden könnte. Stattdessen sollte neu investiert werden, entweder für riskantere Unternehmungen oder zur Unterstützung mittelloser, aber Erfolg versprechender Handwerker verwendet werden - zum Beispiel in Ausbildung oder Finanzierung von notwendigem Grundkapital, was der Göttin sehr am Herzen liegen soll.

Aufgaben der Anhänger und der Priesterschaft:
Es gibt kaum einen Händler oder Handwerker, welcher Muriel abgeneigt ist. Ihre Anhänger finden sich auf allen Marktplätzen und Banken und es ist für die meisten selbstverständlich, nach einem außergewöhnlich guten Handel, zumindest einen kleinen Teil des Gewinnes, im Sinne Muriels zu investieren. Trotz allem haben die wenigsten ihr Leben ganz der Göttin gewidmet und sind in die Priesterschaft eingetreten.
Der größte Teil der Priesterschaft Muriels stützt sich auf ihren Hauptaspekt: Den Handel. Doch ist diese durch unterschiedliche Interpretation der Handelsfreiheit in sich zerstritten, und es bildeten sich zwei extreme Lager heraus, die den Weg des jeweils anderen verurteilen. Der beständige Konflikt zwischen beiden wird allerdings zumeist nur mit Worten ausgetragen.
Das eine Extrem besagt, dass es für den Handel keinerlei Grenzen gäbe, weder rechtliche, noch moralische. Jede noch so illegale oder moralisch bedenkliche Ware kann und sollte vertrieben werden. Auch sind ihnen politische Gesinnungen gleich, weswegen sie oftmals gleichzeitig an jede Gruppierung liefern. Die Anhänger glauben damit die reinen Lehren Muriels zu vertreten, weswegen sie selbst sich "Die Reinen" nennen.
Das andere Lager tritt zwar auch für die Handelsfreiheit ein, doch respektieren dessen Vertreter das Gesetz sowie moralische Bedenken der Menschen hinsichtlich bestimmter Handelspraktiken und schränken sich und ihr Angebot dementsprechend ein und bezeichnen sich selbst als "Die Reformierten".
Die meisten normalen Anhänger Muriels verfallen tendenziell weniger oft einem der beiden Extreme als ihre Priester. Sie finden meist Wege umstrittene Artikel anzubieten, das Angebot jedoch gleichzeitig so einzuschränken, dass es nicht verurteil bar ist, wie Verkauf von Alkohol an kleine Kinder.
Jedoch haben beide Lager der Priesterschaft des Handels eine gemeinsame Vorliebe für teure und aufwendige Kleidung, außerdem eine leichte Neigung zur Prunksucht. Dagegen legt die kleinere Priesterschaft des Handwerkes mehr Wert auf qualitativ gut gearbeitete, jedoch robuste und haltbare Kleidung, die mehr zweckdienlich als schmückend für ihr Handwerk ist.
In den Tempeln Muriels leben die Priesterschaften meist vom Geldwechsel für die verschiedenen Währungen der einzelnen Reiche, was trotz der niedrigen Zinsen ein Recht einträgliches Geschäft ist. In Tempeln, die dem handwerklichen Aspekt mehr Augenmerk schenken, werden talentierte Junghandwerker kostenfrei aus- und weitergebildet sowie Muriels Aspekte näher gebracht. Außerdem erhalten die Tempel oft Geschenke erfolgreicher Handwerker und Händler, wovon einige wenige ausgestellt werden, die meisten aber an unverschuldet verarmte Handwerker und Händler weitergegeben werden, auf dass diese wieder die Möglichkeit erhalten, sich selbst ihr Auskommen zu verdienen.
Viele der Anhänger Muriels fühlen sich für die Märkte verantwortlich, da sie glauben, dass nur ein gut sortierter Markt mit einem großen Angebot zu angemessenen Preisen in der Lage ist, Kundschaft anzuziehen. So bieten sie zum Beispiel Neulingen auf diesem Gebiet bereitwillig ihre Hilfe an, um Fehler vorzeitig zu verhindern. Besitzer schlecht geführter Stände werden angesprochen und zur Verbesserung aufgefordert, im schlimmsten Fall verlieren diese nach Ablauf einer Frist ihren Verkaufsstand zusammen mit dem dort feilgebotenen Hab und Gut.

Beziehungen zu anderen Göttern:
Muriel hat eine recht enge Bindung zu ihrem Zwillingsbruder, Shaundakul, da beiden der Schutz der fahrenden Händler sehr wichtig ist und sie auch so häufig von diesen gemeinsam verehrt werden.
Azuth ist ihr ebenfalls nicht unsympathisch, da sie Wissen für überaus wichtig hält. So mancher Anhänger Azuths hat als einfacher Alchemist und Händler seine Ausbildung finanziert.
Gerüchte zufolge gab es einst einen Pakt zwischen Muriel und Gargauth. Noch heute erinnert so mancher Handelsvertrag und Gebaren eines Anhängers der reinen Lehre Muriels erstaunlich der glatten Kunstfertigkeit eines Gargauthanhängers.
Ziemlich zuwider ist ihr Lavain, der Gott, welcher das Herumtreiben propagiert und dessen Lieder und Scherze nicht ihrem Sinn von harter Arbeit und Lohn entsprechen.
Ihr Verhältnis zu Tyche ist sehr wechselhaft. Sie weiß, dass eine ordentliche Portion Glück zu jedem guten Handel gehört, aber andererseits missfällt es ihr völlig, wenn sich ein Handwerker oder Händler zu sehr auf sein Glück verlässt. Wissen und Können, nicht aber allein das Glück, sollen ihre Anhänger leiten.
Schon öfter regte sie sich über Kossuth auf, der mit seiner kleinlichen Auslegung von Recht und Ordnung schon so manch gutes Geschäft zu verhindern suchte und dessen Anhänger gelegentlich gegen einige ihrer eifrigsten Anhänger wettern.
Den anderen Göttern steht sie neutral gegenüber, sie handelt mit jedem, sofern sie einen Vorteil für sich oder ihre Anhänger dabei herausschlagen kann, ohne einen großen Unterschied zwischen "Gut" und "Böse" zu machen.

Tempel, bekannte Stätten und Avatare:
Muriel wird auf jedem Marktplatz und in jeder Bank gehuldigt, aber noch wurde ihr kein Tempel gewidmet. Aber einige ihrer Anhänger formieren sich bereits, um diesen Missstand zu beseitigen.

Geschichte / Hintergrund:
Muriel wird verehrt, seitdem der Handel Ansehen und Wohlstand brachte. Man berichtet von einigen Erscheinungen vor Handwerkern oder Händlern, welche große Dienste für sie und ihre Anhängerschaft brachten oder durch spezielle Taten bringen sollen.

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