Herkunftsgeschichte

Vorwort

Im folgenden handelt es sich über ooc-Informationen, die nur teilweise ins Spiel gelangt sind. Was öffentlich ausliegt, oder öffentlich gelehrt wird, kann als aktueller Stand der Erkentnisse ausgelegt werden. Bitte seht davon ab, gedankenlos Inhalte dieses Textes zu verwenden; die Erforschung der "eigenen" Geschichte stellt für viele Charaktere ein belebendes Rollenspielelement dar, dass ihnen über einen unbedachten Einsatz dieser Informationen genommen werden kann.

Zudem gibt es spezielle Informationen, die zum Beispiel nur Rassenangehörigen bzw. engen, in die Reihen eines Volkes aufgenommenen Charakteren zur Verfügung steht und ansonsten ig der Geheimhaltung unterlegt.

Nehmt also bitte Rücksicht auf das allgemeine Servergeschehen und überlegt gut, was euer Charakter wissen kann, und woher er dieses Wissen hat.

-Die Geschichte der Rassen und Völker-

Alt ist die Geschichte der Rassen und Völker der Vergessenen Welt. Aus den Urkräften geboren, waren die Wälder noch wild, durchzogen von allerlei Wesen, eines wundersamer als das andere. Viele Götter bevölkerten die neue Welt und gebahren neue Rassen; unter ihnen die Elfen und Zwerge, Gnomen und Alben, Drachen und Dämonen, Teufel und allerlei Getier.

In diesen wirren Zeiten, als Chaos und Ordnung sich noch lange nicht ausreichend im Gleichgewicht befanden, stiegen Rassen auf, nur um dann wieder zu Fallen; ganze Völker tilgten sich vom Angesicht der Welt und die Götter betrachteten die Vergessenen Landen als ihre Gärten; Spielwiesen, für ihre Kreaturen und Schöpfungen. Kriegsgebiet, dass es zu erobern galt, um sich Domänen und Herrschaftsansprüche unter den Sterblichen zu sichern.

Vampire und Werwölfe

In dieser Zeit geschah es auch, dass Fenrie zum ersten Mal begann, auf eine noch sehr junge Rasse aufmerksam zu werden: Menschen. Im Gegensatz zu den Elfen, gesponnen aus dem feinen Gewebe der Magie und den Kräften der Natur, sowie den Zwergen, geformt aus den Urkräften der Erde und dem ewig unbeständigen Feuer, der Hitze des Lebens, waren die Menschen nicht durch Jahrtausende des Lernens und der Beständigkeit geprägt. In ihnen loderte die Endlichkeit ihres Daseins, die nicht erlaubte, mit der Behäbigkeit der Elfen die Welt zu betrachten oder dem Beispiel der Zwerge zu folgen und in schier unbrechbarer Ausdauer die Gebirge des Seins zu bearbeiten.

Vielmehr waren die Menschen Ausdruck des Kurzlebigen der Gegenwart und der Veränderung, die diese Welt so dringend brauchte. Menschenreiche verlebtem im Atemzug der Zeit und Fenrie begriff, dass die Menschen der Schlüssel zum Schicksal der Welt waren; denn obwohl sich die dunklen Schwester und Brüder der Elfen dem Untergrund zuwandten und fortan als Dunkelelfen existierten, gelang es doch nie alle Elfen vom Pfad ihrer Herkunft abzubringen. Ebenso erging es dem Volk der Zwerge, von dem sich die Druegar abspalteten und fortan die unwirtliche Unterwelt bevölkerten.

Aber kein Volk unter all jenen war sich so uneins, so gespalten und so im Strom der Zeit hin und hergeworfen wie das der Menschen.

Fenrie erkannte all dies, und beschloss, eben jenes Volk zu dem Seinen zu machen. Seine Zahl an Gefolgsamen war groß, der Abyss ein nicht enden wollender Fluss, gebildet aus den Urkräften den Chaos; in seiner dunklen, unergründlichen Tiefe mit den Kräften der Dämonen kaum fassbar verworren.

Da seine Armee die Welt nicht bevölkern konnte, sollte diese Rasse das Schicksal aller Völker entscheiden. So begann Fenrie seine Streitkräfte zu versammeln. Immer wieder entsandt er seine Heerscharen, die Siedlungen und Städte der Menschen heim zu suchen. Wer sich nicht Fenrie anschloss, der wurde vernichtet. Und es waren viele, die seinem Ruf folgten - schon bevor die Seinen eintrafen und ersten Schaden anrichteten. Die Menschen suchten sich zu schützen, und ihr wandelhaftes Gemüt besaß die unvergleichliche Eigenschaft, das eigene Überleben in vielen Fällen über das Schicksal der Welt zu stellen. Etwas, was den alten Rassen fremd war, aber auch oftmals vor ihren Augen verborgen blieb; denn die Zwerge und Elfen, in ihrer Endlosigkeit gefangen, richteten ihr Leben auf ihr Volk, ihre Rasse, ihre Götter aus.

So wuchs die Schar der Anhänger Fenries. Aber es waren versprengte Truppen, in denen viele ihre eigenen Ziele verfolgten und eigenen Profit heraus zu schlagen versuchten. Uneinigkeit herrschte zwischen den Völkern der Menschen und so begannen sie zwar in den Krieg zu ziehen, doch oftmals war ungewiss gegen wen sie sich stellen würden; Zwerge, Elfen oder Ihresgleichen?

Fenrie triumphierte, denn in dem Chaos erstarkte er und stieg weiter und weiter empor. Er tilgte Götter aus den Reihen der Schicksalslosen, vernichtete ganze Landstriche und erfreute sich an der fruchtlosen Erde, die seine Mannen hinterließen.

Doch nicht alle Menschen waren dem Vater der Dämonen verfallen. Immer wieder regte sich der Widerstand, sammelten sich menschliche Truppen und zogen in den Krieg gegen ihre früheren Brüder und Schwestern, die sich nun der ewigen Dunkelheit verschrieben hatten.

Dem Herrn des Nordens jedoch genügte dies nicht. Zwei Göttinnen, die sich unter der Vielzahl der Schicksalslosen behauptet hatten und deren Anzahl an Anhängern zahlreich war, machten sich um Fenries besondere Aufmerksamkeit verdient: Garlen, Göttin der Natur und des Lebens, sowie Kerissa, Göttin des Lichts und der Tugendordnung. Das Chaos genügte Fenrie nicht, solange es diese zwei Gestalten nicht verschlang und damit die Welt für alle Zeit aus dem Gleichgewicht brachte und ihm den Thron der Götter.

So beschloss Fenrie sich dem größten der Königreiche der Menschen zuzuwenden. In Seleé, der Hauptstadt des Reiches Aaran, belegte er die Verlobte des Königs mit einem Fluch, so dass sie Tag für Tag dem Tode einen Schritt näher kam. Verzweifelt, in tiefer Gram, suchte Maarbuk den Rat seines Bruder auf, dem er als einzigen noch die Fähigkeit zutraute, seine zukünftige Gattin zu retten. Doch stets waren sich die Brüder uneins. Maarbur, gesegnet mit außerordentlicher Statur und sicherer Schwerthand, wurde von seinem Vater Iisgrimm stets bevorzugt; waren sie sich ähnlich, seit dem ersten Tage. Meahbur hingegen schlug seiner Mutter nach, feingliedrig und gewieft, mit dem Segen der magischen Begabung bedacht, die seinem Vater so gar nicht behagte.

Hingegen jeder Befürchtung empfing Meahbur seinen gekrönten Bruder jedoch sofort, was allerdings seinem Forscherinteresse geschuldet war, nicht der Nächstenliebe. Geduldig hörte er den Schilderungen zu, ehe er seinem Bruder in die Gemächer der zukünftigen Königin folgte, um diese vielerlei Untersuchungen zu unterziehen.

Schnell merkte er, dass der Fluch, der auf der Königin lag, nicht irdischen Ursprungs war, sondern eine seltsame Kraft von ihr Besitz ergriffen hatte. Fast war es, als würde diese ihr alle Lebensgeister rauben, sie langsam aussaugen. So rann das Leben von der Seele der Geliebten und Maarbur verzweifelte und verfiel in tiefe Trauer.

So kam der Tag, an dem der Atem der Königin schwächer war, während die Brüder, unfähig zu helfen, an ihrem Bette standen. Tiefe Gram beugte das Haupt des Königs, als der letzte Lungenzug verklang und er bebte, auch wenn kein Schluchzen über seine Lippen kam.

Meahrbur hingegen setzte seinen schmalen Leib behutsam neben der Königin ab, um die Hand an ihren schlanken Hals zu legen, die letzten Schläge des Herzens zu spüren, um Gewissheit über das Schicksal der Unschuldigen zu haben. Doch als er der letzte Herzschlag verklang, bäumte sich die Unglückliche in ihren Laken auf. Ein unwirklicher Schrei entkam ihren Lippen und füllte den Raum; gelähmt von der Macht ihrer Präsenz verharrte der Magier, unfähig sich zu bewegen. Mit Schrecken verharrte auch Maarbur, als sich seine geliebte Königin auf den reglosen Bruder stürzte und tiefe Male in seiner Haut hinterließ.

Erst das sprudelnde Blut ließ den König aus seiner Erstarrung aufwachen, so dass er seinen mächtigen Zweihänder La'sum ergriff und dem erwachten Übel durch das Herz stieß. Die Unglückliche stürzte zurück in ihre blutbefleckten Kissen und ihr Brustkorb färbte sich schwarz. "Unheilige Bestie!" schrie Maarbur, außer sich vor Entsetzen und hob sein Schwert erneut. In einem Schlag trennte er den Kopf seiner Geliebten von ihren bebenden Schultern und sank dann auf seine Knie, seinen eigenen Schrei kaum wahrnehmend.

Meahrbur jedoch, von Grauen ergriffen, wich von dem Bett zurück und suchte sein Heil in der Flucht; die Hand auf seine zwei Wunden gepresst verließ er das Schloss und ließ das Geschehene vermeintlich hinter sich.

Die Diener fanden ihren Herren, aschfahl, der ihnen Befahl die Überreste der verstorbenen Herrin auf der Stelle zu verbrennen. Doch noch ehe sie das Feuer entzündeten, sah man den gefallenen König auf sein Ross steigen und in wildem Galopp davon streben. Einzig seine Waffenbrüder Aaskon und Rowen, durch den Tumult herbei geeilt, wagten es ihre Pferde zu satteln und ihrem Herren zu Folgen. Dieser ritt, außer sich vor Schmerz, ziellos in die Wildnis, um diese schrecklichen Momente hinter sich zu lassen.

Aber noch ehe Maarbur von seinen Getreuen eingeholt wurde, begegnete ihm ein seltsamer Mann. In eine Robe gehüllt, die in schwarzem Samt gehalten sanft schimmerte, sprach jener mit rauchiger Stimme: "MyLord, diese wilde Flucht wird Euch nichts nützen." Seine knochige Hand hebend sorgte der Fremde dafür, dass des Königs Ross scheute und seinen Reiter abwarf, der wirr im Sinn sein Schwert erneut ergriff. Doch just als er in wilder Raserei La'sum schwang, um an der seltsamen Gestalt all seinen Schmerz und seine Verzweiflung auszulassen, wechselte diese ohne eine Geste ihren Standplatz. Der König wirbelte herum und schwang sein Schwert erneut - doch ohne Erfolg. Dies geschah viele Male, ehe der Regent erschöpft in die Knie ging. Tränen rannen seine Wange hinab, als er klagend ausrief: "Ich bin ein Monster! Welch Bestie schlachtet eine Frau?"

Der Fremde hingegen lachte schrill auf. "Nun, mein Herr schickt mich um Euch genau dies auszurichten. Ihr, MyLord, seid wahrlich eine Bestie. Nun kommt, MyLord - lange genug wurdet ihr darüber im Unklaren gehalten, was Ihr wirklich seid. Ich will es Euch zeigen!" Die knochigen Hände streckend verschwamm die Gestalt, während sich schwefliger Geruch ausbreitete und grelle Flammen aus seinen Händen schossen. Der König fühlte ein nicht enden wollendes Brennen, als die Flammen ihn erreichten und krümmte sich in Agonie. Seine Knochen brachen, sein Haar verlängerte sich, und allüberall wuchs ihm Fell am Körper. Entsetzt blickte der Gefallene auf seine Hände, die sich qualvoll langsam zu Pfoten bildeten, während sein Kiefer brach.

Erneut lachte die Gestalt, schrecklich schrill, was im Kopf des Fellbündels wie tausend heiße Nadeln stach und seine Raserei nur noch verstärkte. Seine feinen Ohren vernahmen nun das Getrappel zweier Pferde, die sich unweit des Pfades befinden mussten, auf dem er sich soeben aufrichtete. Ein schauriges Brüllen überkam seine Lefzen, als eine unbändige Macht endgültig von ihm Besitz ergriff: Unersättliche, blinde Wut.

Alarmiert stürmten beide Waffenbrüder, ihrem Herren in Treue gefolgt, den Pfad hinauf, um dann im Anblick des Ungetüms zu verharren, dass sie erwartete. Besinnungslos stürzte sich Maarbur auf seine Getreuen und versenkte seine Zähne tief in dem Fleisch der tapfer Kämpfenden.

Die Schlacht währte lange, denn die Wunden der Drei verheilten schneller als sie geschlagen wurden. Erst als der Mond aufging veränderte sich das Bild, denn aus den Kämpfenden wurden wieder Brüder, sich gleich in Gestalt und Raserei. So zogen sie davon, ihren Hunger zu stillen, der ihre Seele in Brand setze.

Weit ab von diesen Geschehnissen jedoch hatte sich Meahrbur in sein Labor zurück gezogen. Voller Verwunderung stellte er fest, dass seine Haut gleichsam aschfahl war, wie der Teint der zukünftigen Königin, deren Asche bereits in alle Winde verteilt war. Voll fiebriger Eifrigkeit suchte der Magier ein Mittel, seinen Atem zu stärken, sein Herz daran zu hindern langsamer zu werden, doch vergebens. Als die Nacht sich über das Land gelegt hatte, krümmte er sich mit einem Aufschrei des Entsetzens und erlebte mit weit geöffneten Augen wie sein Körper starb.

Doch sein Geist schwieg nicht, glitt nicht hinüber in die erlösende Gleichmütigkeit des Todeshauchs, der die Sterbenden erfasst wenn ihre Zeit gekommen war. Es war, als würde ihm etwas Wertvolles Entrissen werden; etwas, was tief verwurzelt war, in seinem Leben. Die blassen Hände fest um die Lehnen seines Stuhles gekrallt beobachtete der Magier, wie sein Lebensfaden dünner und dünner wurde und seine Seele ihm immer weiter entglitt, bis seine Augen leer und leblos in die Dunkelheit seines Zimmers starrten. Rein aus Gewohnheit atmete er noch weiter, doch spürte er den Atem nicht mehr in erkühlender Frische seine Lungen füllen. Sein Herz jedoch schwieg.

Doch Maehrbur wusste, was Magie zu vollbringen wusste. Lange überlegte er, wie er sich heilen konnte, unwissend welch mächtiger Götterfluch fortan auf ihm ruhen würde. So beschloss er, seinen Schüler Baswil zu sich zu rufen. Er brauchte jemanden, den er erforschen und studieren konnte. Jemand der für Versuche zur Verfügung stand. Jemand, den er Nutzen konnte, um ein Heilmittel zu finden.

Und so kam es, dass in dieser Nacht noch ein zweiter Seinesgleichen ungeboren wurde, unwissend, was sein Meister mit ihm vor hatte. Schnell merkte Maehrbur jedoch, dass sich etwas verändert hatte. Die Gedanken seines Schülers blieben ihm nun seltener verborgen. Fast schien es, als wäre aus der reinen Zweckgemeinschaft zu seinem Mentor eine tiefe, innige Hingabe seines Schülers geworden.

Das Reich Araan jedoch verfiel in tiefe Trauer. Königin und König verloren, Bestien plünderten die Dörfer und hinterließen Tote, und junge Menschen verschwanden spurlos, um dann verändert wiederzukehren. "Tagmüdigkeit" nannte man die seltsame Krankheit, die um sich griff, und von "Wildruf" sprach man, wenn Menschen ohne ersichtlichen Grund in die Wildnis entschwanden. Kinder verwaisten, Familien wurden auseinander gerissen und das Reich versank im Chaos.

Einer jedoch lachte, voller Freude über das gestiftete Unheil und das Leid der Menschen. Das nunmehr wehrlose Reich würde der Dämonenvater bald mit seinen Heerscharen überrennen, um das riesige Bollwerk der Menschen bald das Seinige zu nennen und es für seine Zwecke zu missbrauchen.

Doch die Vorgänge in Seleé blieben nicht unbemerkt, als Tausende und Abertausende ihr Heil in der Flucht versuchten. Bis zu den Städten der Zwerge und Elfen drangen die Flüchtlinge vor, auf ihrer verzweifelten Suche nach Schutz.

So kam es auch dass Garlen und Kerissa ihre wachenden Augen weiter schweifen ließen und der Verzweiflung der Menschen gewahr wurden. Eine ganze Rasse unter dem Joch des Herren des Nordens drohte die Welt mit Krieg und Verderben zu überziehen.

Voll Abscheu beobachteten die Schwestern die Gräueltaten der Werwölfe, die als Gefangene ihres eigenen Schicksals dazu verdammt waren, wahllos zu morden und zu schlachten, um ihren unendlichen Hunger zu Stillen. In den Momenten, in denen die vielen hundert Wesen nicht fraßen, wanderten oder ruhten, hörte man ihr klagevolles Lied über die Welt hallen. Voller Sehnsucht nach Ruhe und Frieden, nach Gemeinschaft und dem Verlöschen des Brandes, der ihre Seele auffraß.

Als Garlen dieses Lied vernahm, erfüllte es ihr Herz mit tiefer Trauer. Voll Erstaunen nahm die junge Göttin wahr, dass sie ein sterbliches Gefühl empfand - Mitleid. "Komm," sprach sie zu ihrer Schwester, "der Mond leuchtet uns den Weg." So begaben sie sich zu Maarbur und seinem Rudel, dass eine Schneise der Vernichtung hinterlassen hatte. Rasend, wahnsinnig, versuchten sich die Wölfe auf die Göttinnen zu stürzen. Doch die Jägerin ließ nicht zu, dass einer der Wölfe auch nur in die Nähe beider kam. "Wir müssen sie vernichten!" sprach Kerissa, in dem Blut der erschlagenen Wesen stehend, ihr hellleuchtendes Schwert schwingend, an dem kein Blut zu haften vermochte. Doch Garlen zögerte. "Sieh sie dir an. Sie waren Teil dieser Welt. Sie möchten wieder Teil dieser Welt sein. All dies Leid wird nicht aus ihrem Willen geboren, sondern aus dem Fluch, der sie unbarmherzig gefangen hält." Kerissa hielt inne und beobachtete ihre Schwester, die durch die Reihen der Werwesen schritt. "Komm zu mir," befahl die Göttin der Natur Maarbur, "komm zu mir mein Kind." Das riesige Ungetüm folgte nur widerwillig der gegebenen Weisung, doch beugte er das Haupt, von unsichtbarer Macht gezwungen. "Höre der großen Mutter zu. Den Fluch kann ich euch nicht völlig nehmen, doch will ich euch die Chance geben, euren Platz zwischen den Völkern dieser Welt zu finden." Ihre Hand berührte den Kopf des Wesens, dessen Fell langsam verschwand und das langsam in sich zusammensackte. Der Blick der Göttin, voll Mitleid und Güte, wanderte zu der Herrin des Lichts. "Schwester, ich bitte dich, versage ihnen nicht deine Gnade."

Kerissa blickte tief in die Seelen der geschundenen Wesen und erkannte viel Gutes in ihnen. "Wo Schatten ist, muss es auch Licht geben. Daher werden wir euch erlauben, zu euren Familien und Völkern zurück zu kehren. Doch können wir den Fluch nicht gänzlich aufheben. Seid gewarnt, der Vollmond wird den Fluch stets erstarken lassen." So sprach die Göttin und hob ihre Hand. Die Welt erstrahlte in gleißendem Licht, dass die Körper und Seelen der Geschundenen durchflutete und einen Teil der Dunkelheit vertrieb, der sie ergriffen hatte. Die Wesen verwandelten sich nach und nach in das zurück, was sie einst waren und manche weinten vor Dankbarkeit. "Nun hört mir zu," sprach Garlen wieder zu ihnen, "dies soll nicht alles sein. Die Natur ist ein empfindliches Gleichgewicht. Es darf von keinem zu viel und von niemandem zu wenig geben, wenn es nicht vorgesehen ist. Darum soll mein Geschenk euch die Fähigkeit nehmen, mit jedem Biss einen Nachkommen zu zeugen. Aber als widernatürliche Bestie seid ihr auch kein Teil des Gleichgewichts. Als Menschen, Elfen und Zwerge könnt ihr nur zum Teil leben. Doch mein Bruder gab euch das Aussehen der Wölfe, wohl wissend, dass auch ich mich von einem Rudel umgebe. Er wollte euch entreißen, doch ich gebe euch ein Geschenk: Das Geschenk der Wölfe. Fortan soll ein Teil von euch Wolf sein, ein Teil Bestie, und ein Teil welchem Volk auch immer ihr entstammt." So hob die große Mutter ihre Hände und segnete die Unglücklichen mit ihrer Gabe, auf dass sie in alle Zeiten als "Werwölfe" bekannt sein mochten.

Doch während das Schicksal der Wolfsartigen seinen Lauf nahm, suchte Meahrbur immer noch nach Heilung. Sein Bedarf an Getreuen wuchs, um sein Geheimnis zu verbergen; um den Fluch zu erforschen und um eine neue Dynastie zu begründen - nun, da sein Bruder fort war, war er es, der den Thron bestieg. Bald merkte Maehrbur, dass der Fluch nicht nur eine Last war. Als erster der ersten waren ihm Fähigkeiten zu Teil, die weit über das hinaus gingen, was ihn die Magie gelehrt hatte. Er nahm sich die Frauen, die ihm gefielen, denn hörig wurden sie ihm durch die Kraft seines Blickes. Er hielt sich Kinder, deren Blut noch jung und süß war, und geleitete sie abends zu Tisch. Unwissend waren diese, was mit ihnen geschah; der Vampir vernebelte ihre Sinne, so dass ihr Geist verwirrt von fremder Macht sich nicht zu erinnern vermochte.

Doch bald erkannte das zurückgebliebene Volk, welch Unheil unter ihnen wohnte. Die "Tagmüdigkeit" die um sich griff befiel so viele unter ihnen. Und wer nicht befallen wurde fürchtete die Nacht, denn immer wieder verschwanden Leute. Wenn sie zurück kehrten, hatten sie sich verändert. Ehefrauen weinten, denn ihre Männer waren nun von unbeschreiblicher Kälte. Ihre Blicke hatten sich in die Ferne gerichtet, als würden sie auf etwas warten. Immer wieder gingen sie, ohne ein Wort über ihr Ziel zu verlieren, um dann erschöpft und schweigsam vor Sonnenaufgang wieder zurück zu kehren.

Auch Maarbur, der nun wieder als Mensch seinesgleichen aufsuchen konnte, blieben diese Veränderungen nicht verborgen. Voll Sorge beobachtete der gefallene König, wie seine Mannen verrohten; wie sein Reich sich von Tugend und Güte abwand, zu einem Ort, an dem die Menschen voll Furcht die Tage und Nächte abwarteten. Und so schickte er die Brüder und Schwestern in die Städte aus, die bereits gelernt hatten, die Wut zu kontrollieren die ihre Seele zu verschlingen drohte. Sie sammelten die Geschichten, die Ängste, die Befürchtungen des Volkes und trugen sie Maarbur zu, der tief bestürzt den Erzählungen lauschte. Von seltsamen Wundmalen war die Rede, von ausgebluteten Leichen, die nachts die Straßen säumten.

"Wir müssen etwas tun," sprach er zu einen Getreuen, seinem Rudel dass sich des Abends auf der Lichtung versammelt hatte. "Ihr seid der König! Es ist euer Thron!" antwortete Rowen, von Eifer ergriffen. "Doch bedenke, dass wir hier von meinem Bruder sprechen. Kein Groll soll auf ihn kommen." - "Ihr müsst kämpfen!" bekräftigte dieser, die kräftige Hand auf sein Schwert legend, als die Hitze des Kampfes in ihm aufwallte. "Bedenke unser Schicksal Rowen," antwortete Aaskon geduldig, denn er hatte gelernt der Wut zu widerstehen. "Wir werden den Weg des Friedens bestreiten und das Volk auf meine Rückkehr vorbereiten." ergriff Meahrbur das Wort und ließ den unzufriedenen Rowen zurück.

So geschah es, dass sich die Kunde unter dem Volk ausbreitete, ihr geliebter König würde zurückkehren. Hoffnung schwang in den getuschelten Weisen mit, Hoffnung darauf, dass der Albtraum endlich aufhören würde. Dass es Rettung gab, für das Land, das sich so verändert hatte.

Auch Maarbur blieben diese Gerüchte nicht vorenthalten, doch wähnte er Gefahr für sich und die seinen. "Er will meinen Thron!" schrie der Regent aufgebracht, als ihn die Kunde erreichte, dass sein Bruder ihn bald aufsuchen würde. "Diesen Bestien werden wir nichts überlassen!" voll Zorn erhob sich der Meister der Nachtwandler und durchschritt den langläufigen Saal, dessen große Buntglasfenster durch Vorhänge verhüllt waren. "Bereitet euch vor!"

So kam es, dass Meahrburs Rückkehr nicht von jubelnden Massen begleitet war, denn keiner durfte die Straße betreten, der nicht zu seines Bruders Mannen zählte. Leer und verwaist wirkten die Straßen, als Maarburs Getreue die Stadt betraten. Erst als sie sich dem Schlossplatz näherten, prickelte ihr Nacken vor nahender Gefahr - die Truppen Maarburs marschierten auf, Reih um Reih. "Bruder," rief der gefallene König, "was soll dies werden?" - "Nun, es war unklug, dass du dich zu uns begeben hast - "König"." Voll beißenden Spottes schallte die Stimme des Regenten über den ausladenden Platz. "Lass uns nicht im Streite auseinander gehen."

Doch Maarbur war nicht zu beirren. Noch ehe sein Bruder sich ihm auf 1000 Schritt nähern konnte, gab er den Befehl inne zu halten. "Du hast deinen Thron feige aufgegeben!" schrie er erbost, nicht ahnend was nun geschehen würde und gewiss, dass sein Bruder in Schande fortgehen würde - wie schon geschehen.

Rowen hingegen, dessen Herz von Wut ergriffen war, brüllte vor Zorn auf. Besinnungslos öffnete er dem Biest den Weg, ließ den unbändigen Hass freien Lauf und stürzte sich auf seine Widersacher.

Maarbur gab den Befehl zum Angriff und eine große Schlacht entbrannte. Die ganze Nacht hindurch klirrten Schwerter, surrten Bögen, brachen Knochen und knirschten Rüstungen. Doch keine der Seiten konnte die Oberhand gewinnen, während viele Brüder und Schwestern den Tod fanden.

Von Gram erfüllt trennte sich Meahrbur des Morgens und befahl den Rückzug, denn uneinnehmbar schien das Schloss und es war genug Blut geflossen. Schwer getroffen kehrten die Streitmannen in die Wälder zurück, die ihnen dank Garlen Zuflucht und Obdach boten.

Maarbur jedoch fand keine Ruhe, zu unbefriedigend schien ihm der Ausgang dieses Konfliktes. Da erschien ihm Fenrie, in Gestalt des Dunkelrobigen, umgeben vom Geräusch kreischender Stimmen, die in Agonie nach Hilfe riefen. Der Regent sprang von seinem Thron auf, aus seinen Gedanken gerissen und beobachtete wie seine Wachen zu Staub zerfielen als die Gestalt ihre knochigen, roten Hände hob. "Sieh an, ein König also." sprach die Gestalt mit einer Stimme, die in ihrer Gewalt den ganzen Thronsaal erfüllte. "Wer seid Ihr?" fragte Maarbur, argwöhnisch in den Königssitz zurücksinkend, seines Schicksals Ungewissheit bewusst. "Ich bin der, der Euch dieses Geschenk machte. Nennt mich Allvater, denn ich bin der gütige Hirte der den Menschen Wölfe schenkte und der gütige Meister der euer Blut gefrieren ließ." Er lachte schauderhaft, von Bosheit zerfressen, während der Regent sich vorbeugte.

"Wenn Ihr es wart, der uns geschaffen hat, wieso bevorzugt Ihr meinen Bruder? Diesen Nicthsnutz..." hasserfüllt sprach Maarbur diese Worte, die Gestalt kaum ansehen könnend, denn ihre Präsenz erfüllte ihn mit Furcht. "Oh, deswegen bin ich hier her gekommen. Ich habe ein Geschenk für Euch. Doch als Gegenleistung... werdet Ihr mir dienen... oder STERBEN!" er lachte, von Bösartigkeit erfüllt. "Euer Bruder jedoch wird bald Vergangenheit sein, zu schwach sind die Götter, die ihm gewogen sind."

Schwach senkte der König das Haupt und fühlte, wie er in tiefste Dunkelheit gehüllt wurde. "EWIGES LEBEN! Nie sollt ihr altern und Kelevmor anheimfallen, fortan sollt IHR die Welt regieren!" und mit diesen Worten verschwand die Gestalt.

Doch den Untertanen Maarburs blieb dies nicht verborgen, denn sie erlitten dasselbe Schicksal. Tief getroffen, fortan als Geschöpf Fenries leben zu sollen, suchten manche ihr Heil in der Flucht. Obdach fanden sie unerkannt zwischen den Menschen oder auch bei Asmodeus; denn der Teufelsvater kam nicht umhin, der gestrauchelten Seelenlosen gewahr zu werden, die in ihrer Verzweiflung bereit waren, jedem zu folgen, der ihnen Zuflucht bot.

Jene jedoch, die ihrem Regenten treu waren, fanden Gefallen an ihrem Dasein. Von großer Schnelligkeit und mit dem Geschenk der Ewigkeit betraut besaßen sie Zeit, endlos viel Zeit, um ihre Fähigkeiten zu perfektionieren.

Unwissend, was geschehen war, füllten die Wolfsmenschen ihre Reihen erneut, so dass das Rudel wieder erstarkte. Doch Rowen, der den Befehl seines Herren missachtete Frieden zu halten, wurde verstoßen. Und tief vor Gram suchte er die Antworten, auf die unstillbare Gier in seinem Herzen. Doch fand er sie nicht in Besinnung, nicht in Meditation und Ruhe, sondern darin, seinen Trieben freien Lauf zu Lassen. Und während seine Brüder und Schwestern sich darauf vorbereiteten das verlorene Königreich zurück zu erobern, zog er hinaus in die Welt, um sich ein Eigenes zu erschaffen, eines in dem seine Art die Herrschaft für sich beanspruchte, in dem Menschen Freiwild waren und keines Schutzes bedarf.

Bald mehrten sich seine Brüder und Schwestern und er erzog sie in seinem Sinne. Viele unter ihnen rekrutierte er in den Streitkräften des Herren, den auch er angenommen hatte - und Fenrie war zufrieden, denn das Chaos zog mit ihm durch die Welt.

Aaran, das Königreich der ungleichen Brüder jedoch, zerbrach unter der Last des Krieges, der hunderte Jahre dauerte. Zuletzt waren beide Seiten schwer geschlagen und das Reich lag in Trümmern. Das Volk war geflohen, und zurück blieben jene Verfluchten, in unwirtlicher Landschaft und tief gezeichnet von ewig währenden Schlachten.

Als Meahrbur erkannte, dass sein Land, dem er einst Treue geschworen hatte, dem Untergang geweiht war und die Zerstörung allüberall auf der Welt erneut begann, versank er in tiefer Gram. Verzweifelt rief er die Göttinnen an und klagte ihnen das Leid, klagte vom Untergang der Menschen, die dem Fluch weiterhin anheimfielen.

Und auch die göttlichen Schwestern erkannten, dass diese Welt zum Untergang verurteilt war, solange der Krieg der Unsterblichen weiter tobte. So sprachen die Göttinnen: "Höre Meahrbur, gefallener König der Menschen; diese Welt kann euch nicht mehr tragen. Das Reich Aaran ist kein Ort mehr des Lebens und der Krieg der euch vernichtete, wird wie ein Geschwür weiter wuchern. Doch gleichsam sind viele Unschuldige unter euch, unter den Verfluchten. Wir wollen euch die Chance geben, euer Schicksal selbst zu bestimmen. Darum nehmt nun Abschied, denn es ist Zeit zu gehen, an einen Ort, an dem ihr unter euch seid. Auch dort wird euch der Kampf erwarten, gegen jene, deren Fluch ihnen befielt sich am Lebenssaft Anderer zu Laben."

Ungewiss, welche Zukunft ihn und die Seinen erwartete, ja, selbst seine untoten Schwester und Brüder jenseits der Wälder, neigte der gestürzte König sein Haupt. Die Welt begann zu beben und die Erde riss auf; die Zeit stand still und das Land erleuchtete in einem unwirklichen Schein. Die Erde löste sich und das Land verschwand, als die Göttinnen ihre Hände hoben und ihre Macht das Reich erfasste.

Zurück blieben tiefe Schluchten und Täler, geschaffen aus Erde und Stein, leblos und traurig. Als Garlen dies sah, erfasste sie jedoch Wehmut und sie ließ ihre Macht erneut aufwallen. Wasser strömte aus allen Enden der Welt herbei und füllte die Landschaft und mit ihm kamen Tiere und Wesen, die die Meere bevölkerten.

Vom Lande Aaran jedoch hörte man nur noch in Sagen und Legenden, die von jenen weiter getragen wurden, die vom Fluch betroffen waren; man sprach von Heimat, in der weit entfernt immer noch ein Krieg blutige Kreise zog, der entscheiden sollte, welche der beiden Völker überleben würde.